Primus inter pares
Interview mit Thomas Graf, Sänger von Megawatt
Beim Blick aufs Programm der diesjährigen Rock & Blues Cruise sticht ein Name aus stilistischen Gründen besonders heraus, weil er buchstäblich aus der Reihe tanzt: Megawatt. Denn was das Rheintaler Quintett jeweils auf die Bühne legt, ist mit einem sogenannten «Brett» noch harmlos umschrieben. Auf der nach oben offenen Richterskala, die normalerweise zur Messung von Erdbeben dient, schlägt die letztes Jahr bei den Swiss Music Awards als «Best Breaking Act» ausgezeichnete Band sehr weit nach oben aus. «Wir drücken schon recht ab», umschreibt es Thomas Graf bei unserer Begegnung noch harmlos und bescheiden und lacht schelmisch. Der Sänger und Frontmann kommt gerade aus dem Whirlpool, das Haar ist lang und luftig und flattert im Wind, das Shirt sitzt locker, die Tattoos sind zahlreich und beeindruckend.
«Wir sind sehr nahbar und haben Menschen gern, das versuchen wir auch mit unserer Musik zu vermitteln», erklärt Graf ihr Rezept. «Und wir geben immer mindestens 200 Prozent. Wir wollen dem Publikum und auch uns eine möglichst gute Zeit bescheren», sagt er und erzählt von seiner unbändigen Liebe zur Musik und wie er extra aus der Ostschweiz nach Rubigen gereist sei, um in der «Mühle» ein Span-Konzert zu verfolgen. Grafs grundsätzliches Credo: «Einfach nicht in Schubladen denken und alle so leben lassen, wie es ihnen gefällt», sagt er, «und immer ein schönes Andenken für das Fotoalbum des Lebens». Und er betont, dass er zwar als Sänger an der Front stehe, jedoch keineswegs der Leader der Formation sei. «Wir sind ein Team und alle haben eine gleichwertige Stimme», erklärt er das Bandprinzip, «unsere unterschiedlichen Charaktere ergänzen sich und ergeben eine stimmige Summe». Genau dies müssen wohl die alten Römer mit dem lateinischen Sinnspruch «Primus inter pares» gemeint haben. Das Erstaunlichste an der Vita von Graf: «Ich arbeite zu hundert Prozent und mache Musik nur als Hobby. Diesem Druck, voll von der Kunst leben zu müssen, möchte ich mich nicht aussetzen» sagt der Mann, der nebenbei auch noch bei der Bündner Formation Mayday und einer Cover-Formation dabei ist – eine Leidenschaft, die also ziemlich tief geht, um es sanft zu zu formulieren. «Ich geniesse meine Unabhängigkeit in jeder Hinsicht», sagt, er, «und privat mag ich es am liebsten ruhig. Besser eine Büchse Ravioli auf einem Maiensäss, als Rambazamba in der Stadt». Seit dreissig Jahren ist er in einer grossen Heizungsfirma in Liechtenstein tätig, figuriert dort als Leiter der Berufsbildung und ist für 38 Lernende zuständig. «Ein wertvoller, erfüllender und cooler Job», spielt er auf das Tätigkeitsfeld der Firma an. Dass der junge Blueser Lucky Wüthrich in der vorgestrigen Ausgabe der Bordzeitung Megawatt explizit gerühmt hat, freut ihn besonders. «Ich denke, Musik kann alle Gräben zuschütten und Meinungsverschiedenheiten ausgleichen. Musik eint, Musik schafft Harmonie.» Doch bei aller Lockerheit hat Graf mit Megawatt natürlich trotzdem noch grössere Ziele. «Diese Cruise ist megatoll. Doch eines verstehe ich nicht: Wieso sitzen die Leute, wenn die Bands spielen?» Für ihn ist deshalb klar: «Wir wollen, dass heute Abend alle stehen, vorher gehen wir nicht ins Bett». Und tatsächlich zeigt sich beim Konzert von gestern Abend: Wenn Thomas Graf und Megawatt A sagen, meinen sie auch B. Und C sowieso. Einfach immer Vollgas. Oder eben mega.
Liebe Künstler*innen, Liebe Gäste
Dear Artists, dear Guests
We are very happy if you enjoy, use and circulate these images. Please remember to note the following when crediting the source:
RBC2022.ch | ©christophammann.com or
RBC2022.ch | ©thilolarsson.com
We also appreciate mentions on Instagram and Facebook:
@rockruises or #rbc2022 and
@thilolarsson or @christophammannphotography
You can find the reference to the respective photographer in the image name, it will be either thilolarsson or CAP. Thanks for sharing and for your participation.
The release is only for private use and self-promotion of the pictured artists. Any use beyond that requires the explicit permission of the photographers and especially the persons shown.